Agora Zukunftsstudie: Wie geht es weiter für Forst- und Holzbranche?
Der Thinktank Agora-Agrar hat eine Studie zur Zukunft des Landnutzungs- und Ernährungssektors in Deutschland veröffentlicht. In dieser Studie geht es auch um die Frage, wie Wälder und Holz in Zukunft genutzt werden soll. Viele in der Studie gezeigten Ansätze wie Lebenszyklus-Grenzwerte, Holzbauquoten und Ausbau der Kaskadennutzung sind wegweisend, die waldpolitischen Ansätze sind jedoch teilweise kritisch zu hinterfragen.
Die waldpolitische Strategie der Studie teilt sich in drei Bausteine auf: Die Anpassung der Wälder an den Klimawandel, eine künstliche „Ernteverzögerung“ in stabilen Beständen und eine verstärkte Aufforstung. Sowohl der Waldumbau als auch eine verstärkte Aufforstung sind in jedem Fall zu begrüßen und werden dazu beitragen, Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu binden und langfristig in Holz und im weiteren Verlauf in Holzprodukten zu speichern. Die Ernteverzögerung in stabilen Beständen ist jedoch kritisch, da sie die CO2-Senkenleistung der stabilen Wälder reduziert: Zwar ist in einem älteren Wald in Summe mehr Kohlenstoff gebunden als in einem jüngeren, dies erkauft man aber durch eine niedrigere jährliche CO2-Bindungsleistung, die bei Bäumen im Alter abnimmt. Über die reine Menge an Bäumen pro ha lagern junge Wälder so deutlich mehr CO2 pro ha und Jahr ein. In stabilen Beständen die Holzernte zu verzögern, führt daher zu einer reduzierten CO2-Senkenleistung und damit zu einem Verlust von Teilen der Klimaschutzwirkung dieser Wälder. Gleichzeitig sind alte Bäume, wie die Waldzustandsberichte der Länder aus den letzten Jahren zeigen, deutlich anfälliger gegenüber dem Klimawandel, was sich in einem schlechteren Vitalitätszustand des Kollektivs zeigt. Dies geht auch mit Einschränkungen in der Holzverwendbarkeit einher. Die Verzögerung der Holzernte ist daher sowohl im Sinne des Klimaschutzes als auch im Sinne einer möglichst langfristigen Holzverwendung kontraproduktiv.
Erreicht werden sollen die politischen Ziele über Förderung im Privat- und Körperschaftswald. Für den Waldumbau werden Förderungen für die Verkürzung der Umtriebszeit in instabilen Beständen bei gleichzeitiger Verbesserung der forstlichen Standortinformationssysteme empfohlen. Für letzteres wäre zusätzlich zu empfehlen, die in Westdeutschland noch vorhandenen Lücken in der Standortskartierung der Wälder zu schließen. Um den Waldumbau bis 2045 abzuschließen, müssten etwa 120.000ha Wald im Jahr umgebaut werden. Die Förderungen dazu sollen aus den Fördertöpfen GAK und ANK kommen.
Für den Klimaschutz in jedem Fall förderlich sind die für die nachgelagerte Holzverwendungskette vorgeschlagenen Maßnahmen: So schlägt die Studie verpflichtende Holzbauquoten für öffentliche Gebäude und verpflichtende Grenzwerte für den Treibhausgasausstoß von Gebäuden aller Art vor. Dieser Ausstoß bezieht sich dabei auf den Lebenszyklus eines Gebäudes, also auch den Bau. Auch Bonusmodelle für Kohlenstoffspeicherung werden als Möglichkeit diskutiert. Diese sind prinzipiell technologieoffen, könnten aber, sofern die Nachweispflicht unbürokratisch ausgestaltet wird, eine erhöhte Nachfrage nach Holz im Bau auslösen.
Da innerhalb der Studie einerseits mehr Klimaschutzwirkung durch Holznutzung erzielt werden, andererseits der Holzeinschlag nicht weiter erhöht werden soll, muss die verfügbare Menge an Rohholz effizienter genutzt werden. Dies hat zur Folge, dass die Kaskadennutzung ausgebaut und die Verwendung von Sortimenten angepasst werden soll. Insbesondere wird die stoffliche Verwendung von Laubhölzern ansteigen. Gleichzeitig geht die Studie von einem Rückgang der energetischen Nutzung von Holz aus. Auch kompensiert werden soll die künstliche Einschränkung des Holzeinschlags durch eine deutliche Steigerung von Agroforstsystemen und Kurzumtriebsplantagen.
Fazit:
Bilanztechnisch geht die Rechnung der Agora-Studie zwar am Ende auf, aber wie realistisch der Weg dahin ist, muss schon kritisch hinterfragt werden. Der Gesamtansatz ist sehr komplex, ja fast nur mit planwirtschaftlichen Mitteln zu erreichen. Aber nur, wenn alle Faktoren so mitspielen wie geplant, geht die Gesamtrechnung für die Klimabilanz auf. Werden konkret einzelne Anreize geschaffen etwa zur Einschlagsreduktion, aber gleichzeitig beispielsweise beim Thema KUP keine Fortschritte erzielt, steuert man schnell in eine künstliche Rohstoffverknappung hinein.
Insgesamt müssen aus Sicht der AGR die LULUCF Sektorziele infrage gestellt werden. Maßnahmen sollten vor allem darauf abzielen, die Waldökosysteme zu stabilisieren und die Einsparmaßnahmen dafür in anderen Sektoren zu intensivieren, um die ursprünglich eingeplanten LULUCF Mindereinsparungen zu kompensieren.
Weil die vorliegende Studie sich mit allen Formen der Landnutzung beschäftigt, wurde noch für 2026 seitens Agora eine weitere, explizit auf Wälder zugeschnittene Studie angekündigt. Ob diese sich in ihren Kernaussagen von der aktuellen Studie unterscheidet, bleibt abzuwarten. Die hier analysierte Studie finden Sie unter: https://www.agora-agrar.de/publikationen/die-zukunft-von-landnutzung-und-ernaehrung-in-deutschland
