
Die Zapfen einer Atlaszeder
Für diese und weitere Baumarten müssen im Rahmen der assisted Migration Samenplantagen in Deutschland angelegt werden, um die Verfügbarkeit von Saatgut nach dem Forstvermehrungsgutgesetz zu verbessern.
Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik spricht sich für assisted Migration aus
Der Klimawandel macht den deutschen Wäldern zu schaffen, laut BMLEH ging die Produktivität der deutschen Wälder zwischen 2012 und 2022 um 17% zurück. Mit Blick auf die rasant fortschreitenden Veränderungen seitens der klimatischen Bedingungen müssten Arten bzw. Provenienzen sich mit 3000-5000m pro Jahr fortbewegen, um mit den sich verändernden Bedingungen mithalten zu können. Jedoch sind die tatsächlichen Ausbreitungsgeschwindigkeiten je nach Art bei maximal 500m pro Jahr limitiert. Um diese Limitierung zu umgehen und die Wälder in Deutschland klimagerecht umbauen zu können, spricht sich der wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik für die Umsetzung von assisted Migration aus.
Der Beirat spricht in seinem Papier dabei auch explizite Empfehlungen für Baumarten aus, welche von assisted Migration profitieren könnten. Für heimische Arten empfiehlt er Hainbuche, Elsbeere, Winter- und Sommerlinde, Spitz- und Feldahorn sowie für Teile Baden-Württembergs und Thüringens die Flaumeiche. Aus dem europäischen Bereich werden Orientbuche, Zerreiche, Schwarzkiefer und Esskastanie genannt, aus dem Bereich außerhalb Europas werden Baumhasel, Atlas- und Libanonzeder, Nordmanntanne und der Tulpenbaum empfohlen.
Außerdem wird der weitere Anbau der bereits erfolgreich eingeführten Baumarten wie Douglasie, Küstentanne und Roteiche empfohlen. Die genannte Liste ist bewusst nicht abschließend gefasst, weitere Baumarten könnten je nach Entwicklung von Forschungsprojekten hinzukommen. Hierunter fallen verschiedene Eichen- und Kiefernarten aus Südeuropa und Nordamerika sowie Tannenarten und -hybride aus dem Mittelmeerraum
Aus Sicht der Holzindustrie ist eine Intensivierung der Forschung im Bereich der stofflichen Nutzung von Laubholz grundsätzlich positiv. Jedoch ist es unrealistisch, dass Laubholz in naher Zukunft jegliche Einsatzzwecke von Nadelholz substituieren kann. Daher ist es zu begrüßen, dass der wissenschaftliche Beirat auch eine Reihe an Nadelhölzern empfiehlt und die Herausgabe von Empfehlungen für weitere Arten prüft. Wichtig ist jedoch auch, dass neu eingeführte Nadelbaumarten in einer Menge vorhanden sind, dass sich die Prüfung dieser für Einsatzzwecke mit Normierungsanforderungen lohnt und dass die Hölzer diese Normen auch einhalten. Dies war insbesondere bei der Küstentanne in der Vergangenheit durch ihr rasches Wuchsverhalten nicht immer gegeben.
Probleme bei der Umsetzung
Neben Hindernissen für Baumschulen in der Beschaffung und Prüfung des entsprechenden Saatgutes durch unübersichtliche Lieferketten nennt der Beirat eine Reihe von Rechtsvorschriften, die für die Umsetzung von assisted Migration angepasst werden müssen. Dies beginnt beim Forstvermehrungsgutgesetz, in welchem die so genannten Sternchenbaumarten keine ausgewiesenen Herkunftsgebiete haben und daher nur mit Ausnahmegenehmigung Vermehrungsgut gewonnen darf, geht über das BNatschG, welches ebenfalls eine Ausnahmegenehmigung für das Einbringen von Pflanzen an Stellen vorsieht, wo diese nicht oder seit über 100 Jahren nicht mehr vorkommen und endet mit Umwegen über weitere Gesetze letztendlich beim Umweltstrafrecht. Aus letzterem können sich durch die geplante Änderung von §329 StGB strafrechtliche Risiken bei der Umsetzung von assisted Migration ergeben. Zusätzlich dazu wird der Waldumbau in stadtnahen Gebieten teilweise durch die Bevölkerung in Frage gestellt. Befeuert werden diese Widerstände durch wenige Akteure mit hoher Reichweite, welche den Begriff „Waldumbau“ bewusst fehlinterpretieren. Diese habe durch vereinfachte und emotionalisierte Narrative in den Sozialen Medien unter anderem zu einem „Sturm der Entrüstung“ gegen den Baum des Jahres 2025 (Roteiche) beigetragen.
All diese Faktoren erschweren assisted Migration in Deutschland deutlich und werden im Zweifel die lokalen Akteure davon abhalten, ihre Wälder mit zusätzlichen Baumarten aus Gebieten, die aktuell den zukünftig hierzulande künftig erwarteten Bedingungen ähneln, zu erweitern.
