Was tun, wenn der Markt kein Kalamitätsholz mehr aufnehmen kann?
Im Projekt NuKaFi, an dem unter anderem der DeSH beteiligt war, wurden die Möglichkeiten zur Lagerung und anschließender Verwendung von Kalamitätsfichte untersucht. Die Lagerung findet dabei hauptsächlich statt, um Zeit zu gewinnen und Aufkommensspitzen abzufedern.
Zunächst vorweg: Kalamitätsholz ist selbst stehend grundsätzlich gut lagerfähig, insbesondere dann, wenn es in sehr trocken-warmen Perioden angefallen ist. Gerade unter diesen Umständen fällt die Rinde der Bäume schnell ab und die Holzfeuchte verringert sich innerhalb kurzer Zeit. Dies macht das Holz sowohl für Pilze als auch Insekten weniger anfällig.
Nichtsdestotrotz sollten frisch befallene Bäume immer direkt geerntet werden, um die Ausbreitung der Kalamität einzudämmen. Die stehende Lagerung ist nur dann eine Option, wenn die Entnahme während des aktiven Befalls verpasst wurde, heißt wenn die die Kalamität verursachenden Insekten bereits aus den Bäumen ausgeflogen sind. Auch frisch geerntete Fichten können gelagert werden, hier stehen als bekannte Methoden die Nass- sowie die Folienlagerung zur Verfügung.
Für Zeiträume von bis zu zwei Jahren ist die stehende Lagerung grundsätzlich eine Option. Danach sinkt die Qualität des Holzes deutlich. Bei der Lagerung als so genannter Dürrständer ist es entscheidend, dass die gesamte Rinde des Baumes abgefallen ist, damit das Holz trocknet. Ein möglichst intensiver Käferfraß ist hier förderlich. Verbleibt Rinde am Baum, kann es dort zu erhöhter Holzfeuchtigkeit und damit Pilzbefall kommen. Wenn die ersten Dürrständer umfallen, steigt die Wahrscheinlichkeit für Befall durch Bockkäfer und Holzwespen.
Nicht zu empfehlen ist die Stehendlagerung für Bereiche, die eine Verkehrssicherungspflicht mit sich bringen. Außerdem sollte das erhöhte Risiko für das aufarbeitende Personal sowie Jäger etc. beachtet werden. Eine erhöhte Waldbrandgefahr entsteht jedoch nicht, weil über 90% der Waldbrände in Deutschland ohnehin durch den Menschen verursacht werden.
Ist die stehende Lagerung keine Option, kann auf Trockenlager für bereits geerntetes Holz zurückgegriffen werden. Auch hier ist es entscheidend, dass das Holz möglichst schnell trocknet. Zum Boden sollte ein Mindestabstand von 50cm eingehalten werden. Dies kann zum Beispiel durch Stämme unterhalb des Polters, auf welchen dann gepoltert wird, erreicht werden. Die größten Risiken hier sind Brandstiftung, Vandalismus und Diebstahl. Die Stämme sollten nach Erreichen der gewünschten Holzfeuchte mit Folie abgedeckt werden. Die Folie muss dabei regelmäßig, insbesondere nach markantem Wetter, kontrolliert werden.
Das eingelagerte Kalamitätsholz kann sowohl für Vollholzprodukte als auch für Holzwerkstoffe verwendet werden. So sind Faserplatten aus gelagertem Kalamitätsholz in ihren Eigenschaften vergleichbar mit Faserplatten aus Frischholz. Jedoch ist der Anteil an Stäuben erhöht.
Grundsätzlich führt die Verarbeitung von Kalamitätsholz in Sägewerken zu einer etwas geringeren Ausbeute bei erhöhten Stehzeiten. Außerdem kommen Produktbeanstandungen durch Kunden etwas häufiger vor. Die Mehrkosten in der Produktion werden mit 5-8% beziffert. Im Fazit wird durch den erhöhten Staubanteil eine Vorbehandlung durch Wasserlagerung empfohlen. Diese ist von Altholz bereits bekannt. Gegebenenfalls müssen vor der Weiterverarbeitung dann feine Partikel abgesiebt werden.
Den gesamten Leitfaden zum Umgang mit Fichtenkalamitätsholz finden Sie hier: https://zukunft-holz.de/pressemitteilungen/2026/empfehlungen-fuer-lagerung-und-verwertung-von-kalamitaetsholz-veroeffentlicht/
