Moratorium beendet: Berliner Wälder werden wieder als Dauerwald behandelt und umgebaut

Moratorium beendet: Berliner Wälder werden wieder als Dauerwald behandelt und umgebaut

Moratorium beendet: Berliner Wälder werden wieder als Dauerwald behandelt und umgebaut

Nach etwa 2 Jahren ohne reguläre Arbeiten werden die Berliner Forsten wieder als Dauerwald behandelt. Als Grundlage dazu sollen die kürzlich herausgegebenen Waldentwicklungsgrundsätze Waldvision 2065 dienen. Diese wurden durch die Berliner Forsten in Zusammenarbeit mit weiteren Stakeholdern wie der obersten Naturschutzbehörde erarbeitet und werden sie in Zukunft weiter verändern und ergänzen.

Die Rund 28.500ha Wald auf der Fläche Berlins sollen dabei, sofern noch nicht geschehen, in Laubmischbestände überführt werden. Nadelholz soll dabei nach den strategischen Zielen der Berliner Forsten keine Rolle spielen. Das Ziel: Die Entwicklung resilienter Wälder, die in einem Gleichgewicht aus Naturschutz, Erholung für die Bevölkerung und Ressourcennutzung behandelt werden. Die Zertifizierungen nach FSC und Naturland bleiben dabei erhalten.

Die Holznutzung spielt im neu aufgelegten Programm eine geringe Rolle, im Leitbild taucht sie nicht einmal auf. In den Zielen wird lediglich erwähnt, dass das bereitgestellte Holz regional genutzt und mindestens 80% Schnittholz ausgehalten werden sollen. Mit den aktuell noch großflächig vorhandenen Kiefernbeständen, die umgebaut werden sollen, klingt dieses Ziel realistisch. Je mehr Laubholz jedoch dazukommt, desto schwerer wird es werden diese Quote zu halten. Gleichzeitig spricht die bevorzugte Nutzung von Bäumen mit besonders guten Holzeigenschaften gegen eines der Grundprinzipien der Dauerwaldbewirtschaftung: „Das schlechteste fällt zuerst, das bessere bleibt erhalten“.

Die zukünftige Bewirtschaftung der Berliner Wälder fokussiert sich damit im Wesentlichen auf Naturschutz und Erholung, der Waldumbau wird im als Mittel zum Walderhalt gesehen. Die Bereitstellung des nachhaltigen Rohstoffes Holz spielt kaum eine Rolle, sie wird eher als eine Art praktischer Nebeneffekt gesehen. Im Interesse der Initiatoren des Berliner Dauerwaldvertrag von 1915 dürfte dieses Programm in jedem Fall sein. Ob es sich beim Programm der Berliner Forsten um „Dauerwaldbewirtschaftung“ handelt, ist jedoch fraglich. Wirtschaftlich ist das Programm angesichts des geringen Fokus auf die nachhaltige Holznutzung vermutlich nicht. Mit den Einnahmenstrukturen der meisten Forstbetriebe Deutschlands, die ihre Einnahmen zum aller größten Teil aus dem Verkauf von Holz generieren, wird es schwierig werden mit diesen Grundsätzen einen wirtschaftlichen Forstbetrieb zu betreiben.

Die neuen Waldentwicklungsgrundsätze der Berliner Forsten finden Sie hier: https://www.berlin.de/sen/uvk/presse/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1654031.php

Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik spricht sich für assisted Migration aus

Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik spricht sich für assisted Migration aus

Die Zapfen einer Atlaszeder

Für diese und weitere Baumarten müssen im Rahmen der assisted Migration Samenplantagen in Deutschland angelegt werden, um die Verfügbarkeit von Saatgut nach dem Forstvermehrungsgutgesetz zu verbessern.

Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik spricht sich für assisted Migration aus

Der Klimawandel macht den deutschen Wäldern zu schaffen, laut BMLEH ging die Produktivität der deutschen Wälder zwischen 2012 und 2022 um 17% zurück. Mit Blick auf die rasant fortschreitenden Veränderungen seitens der klimatischen Bedingungen müssten Arten bzw. Provenienzen sich mit 3000-5000m pro Jahr fortbewegen, um mit den sich verändernden Bedingungen mithalten zu können. Jedoch sind die tatsächlichen Ausbreitungsgeschwindigkeiten je nach Art bei maximal 500m pro Jahr limitiert. Um diese Limitierung zu umgehen und die Wälder in Deutschland klimagerecht umbauen zu können, spricht sich der wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik für die Umsetzung von assisted Migration aus.

Der Beirat spricht in seinem Papier dabei auch explizite Empfehlungen für Baumarten aus, welche von assisted Migration profitieren könnten. Für heimische Arten empfiehlt er Hainbuche, Elsbeere, Winter- und Sommerlinde, Spitz- und Feldahorn sowie für Teile Baden-Württembergs und Thüringens die Flaumeiche. Aus dem europäischen Bereich werden Orientbuche, Zerreiche, Schwarzkiefer und Esskastanie genannt, aus dem Bereich außerhalb Europas werden Baumhasel, Atlas- und Libanonzeder, Nordmanntanne und der Tulpenbaum empfohlen.

Außerdem wird der weitere Anbau der bereits erfolgreich eingeführten Baumarten wie Douglasie, Küstentanne und Roteiche empfohlen. Die genannte Liste ist bewusst nicht abschließend gefasst, weitere Baumarten könnten je nach Entwicklung von Forschungsprojekten hinzukommen. Hierunter fallen verschiedene Eichen- und Kiefernarten aus Südeuropa und Nordamerika sowie Tannenarten und -hybride aus dem Mittelmeerraum

Aus Sicht der Holzindustrie ist eine Intensivierung der Forschung im Bereich der stofflichen Nutzung von Laubholz grundsätzlich positiv. Jedoch ist es unrealistisch, dass Laubholz in naher Zukunft jegliche Einsatzzwecke von Nadelholz substituieren kann. Daher ist es zu begrüßen, dass der wissenschaftliche Beirat auch eine Reihe an Nadelhölzern empfiehlt und die Herausgabe von Empfehlungen für weitere Arten prüft. Wichtig ist jedoch auch, dass neu eingeführte Nadelbaumarten in einer Menge vorhanden sind, dass sich die Prüfung dieser für Einsatzzwecke mit Normierungsanforderungen lohnt und dass die Hölzer diese Normen auch einhalten. Dies war insbesondere bei der Küstentanne in der Vergangenheit durch ihr rasches Wuchsverhalten nicht immer gegeben.

Probleme bei der Umsetzung

Neben Hindernissen für Baumschulen in der Beschaffung und Prüfung des entsprechenden Saatgutes durch unübersichtliche Lieferketten nennt der Beirat eine Reihe von Rechtsvorschriften, die für die Umsetzung von assisted Migration angepasst werden müssen. Dies beginnt beim Forstvermehrungsgutgesetz, in welchem die so genannten Sternchenbaumarten keine ausgewiesenen Herkunftsgebiete haben und daher nur mit Ausnahmegenehmigung Vermehrungsgut gewonnen darf, geht über das BNatschG, welches ebenfalls eine Ausnahmegenehmigung für das Einbringen von Pflanzen an Stellen vorsieht, wo diese nicht oder seit über 100 Jahren nicht mehr vorkommen und endet mit Umwegen über weitere Gesetze letztendlich beim Umweltstrafrecht. Aus letzterem können sich durch die geplante Änderung von §329 StGB strafrechtliche Risiken bei der Umsetzung von assisted Migration ergeben. Zusätzlich dazu wird der Waldumbau in stadtnahen Gebieten teilweise durch die Bevölkerung in Frage gestellt. Befeuert werden diese Widerstände durch wenige  Akteure mit hoher Reichweite, welche den Begriff „Waldumbau“ bewusst fehlinterpretieren. Diese habe durch vereinfachte und emotionalisierte Narrative in den Sozialen Medien unter anderem zu einem „Sturm der Entrüstung“ gegen den Baum des Jahres 2025 (Roteiche) beigetragen.

All diese Faktoren erschweren assisted Migration in Deutschland deutlich und werden im Zweifel die lokalen Akteure davon abhalten, ihre Wälder mit zusätzlichen Baumarten aus Gebieten, die aktuell den zukünftig hierzulande künftig erwarteten Bedingungen ähneln, zu erweitern.

9. Landeswaldgipfel Baden-Württemberg

9. Landeswaldgipfel Baden-Württemberg

9. Landeswaldgipfel Baden-Württemberg: Holznutzung statt Stilllegungen in BW

Am 30.01. veranstaltete der Landeswaldverband Baden-Württemberg den 9. Waldgipfel des Landes. Nach einer Eröffnungsrede durch Minister Hauck fand eine Podiumsdiskussion statt, in welcher die forstpolitischen Sprecher der Parteien Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD und FDP vertreten waren.

Direkt zu Beginn der Veranstaltung erteilte Minister Hauck mit den Worten „Prozessschutz ist ein Thema von gestern“ eine klare Absage an weitere Stilllegungsprojekte in Baden-Württemberg. Mit der Erweiterung des Nationalparks habe er Frieden schließen können, weitere Fichtennationalparke in Deutschland seien aber sinnlos, es gäbe hier keinen weiteren Erkenntnisgewinn, so Hauck. Außerdem forderte er, auch angesichts der aktuellen Versorgungsengpässe, einen Abbau der Fichten- und Tannenbestände. Dies hilft der Verjüngung der Wälder und ist für die Holznutzung in einer klimabewussten Gesellschaft von entscheidender Bedeutung. Mit Blick auf die Zukunft plädiert Hauck für die Umsetzung von kostengünstigen Wasserrückhaltemaßnahmen sowie den Abbau von Bürokratie. Das Waldportal Baden-Württemberg soll dabei eine Schlüsselrolle spielen. Des weiteren solle die Fernerkundung mit Satelliten und Drohnen ausgebaut werden.

Im Anschluss folgte eine Podiumsdiskussion mit den forstpolitischen Sprechern der Parteien Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD und FDP. Dabei sprachen sich alle Parteien für die Holznutzung aus, waren sich jedoch nicht einig, wie dies geschehen soll. Klaus Hoher (FDP) und Sarah Schweizer (CDU) sprachen sich für eine Kombination von KI und Eigeninitiative seitens des Kleinprivatwaldes aus, Jan Peter Röderer (SPD) warb für eine Kombination aus Eigeninitiative und Personal. Reinhold Pix (Die Grünen) plädierte als einziger für mehr Betreuung des Kleinprivatwaldes in Kombination mit mehr Personal. Außerdem solle sich der Kleinprivatwald in Genossenschaften o.ä. zusammenschließen, um die Bewirtschaftung der Wälder zu vereinfachen. Auch soll der Waldumbau durch Förderung attraktiv gestaltet werden. Die FDP plädiert stattdessen dafür, dass der Kleinprivatwald seine Flächen verkaufen solle und auf die Verkäufe unabhängig vom Käufer keine Steuern erhoben werden.

Beim Thema Kommunikation lehnt die FDP das Hinterfragen der Art der Waldbewirtschaftung seitens der Gesellschaft ab und forderte härtere Strafen für die Missachtung von Sperrungen bei Holzernten und für die Bildung von Bürgerinitiativen. Die drei anderen anwesenden Parteien setzen stattdessen auf Kommunikation mit dem Bürger, insbesondere Grüne und SPD sprechen sich dafür aus Bürgerdialog und Waldpädagogik weiter auszubauen. Beim Thema Waldmanagement sprachen sich alle anwesenden Parteien dafür aus, die Wälder weiterhin zu nutzen und den Waldumbau aus dem Holzeinschlag zu finanzieren. Um die Nachfrage nach Holz anzukurbeln, wurde seitens SPD und Grünen die Förderung des Holzbaus bei öffentlichen Bauprojekten empfohlen

Uneinigkeit herrschte auch beim Thema Personal: In Baden-Württemberg wird etwa 50% des Forstpersonals in den nächsten 10 Jahren in Rente bzw. Pension gehen. Konsens gab es noch bei dem Thema, dass es angesichts der finanziellen Lage schwierig werden wird, alle Stellen neu zu besetzen. Wie es aber für den Forstsektor, der schon jetzt personell knapp aufgestellt ist, weiter gehen soll blieb ungewiss. Auf die Frage, welche Aufgaben angesichts der Steigerung von Waldpädagogik und Kommunikation bei sinkendem Personal nicht mehr erfüllt werden sollen, wollte keine der Parteien antworten. Auch zur finanziellen Situation der FVA, welche mangels dauerhafter Stellen unter einer hohen Fluktuation und Wissensverlust leidet, wurden keine Lösungen eingebracht. Lediglich die Grünen setzten sich für mehr Personal und die strukturelle Sicherung von finanziellen Mitteln im Forstsektor ein.

Über den gesamten Verlauf der Diskussion herrschte bei Fragen zu Bewirtschaftung, Holznutzung und -verwendung zwischen den Parteien meist Einigkeit. Lediglich bei den Themen Personal und Finanzierung gab es Diskussionsbedarf, wobei Grüne und SPD für mehr Personal offener waren als CDU und FDP, welche insbesondere bei Förderungsangelegenheiten stattdessen auf KI setzen wollen.

Agora Zukunftsstudie: Wie geht es weiter für Forst- und Holzbranche?

Agora Zukunftsstudie: Wie geht es weiter für Forst- und Holzbranche?

Agora Zukunftsstudie: Wie geht es weiter für Forst- und Holzbranche?

Der Thinktank Agora-Agrar hat eine Studie zur Zukunft des Landnutzungs- und Ernährungssektors in Deutschland veröffentlicht. In dieser Studie geht es auch um die Frage, wie Wälder und Holz in Zukunft genutzt werden soll. Viele in der Studie gezeigten Ansätze wie Lebenszyklus-Grenzwerte, Holzbauquoten und Ausbau der Kaskadennutzung sind wegweisend, die waldpolitischen Ansätze sind jedoch teilweise kritisch zu hinterfragen.

Die waldpolitische Strategie der Studie teilt sich in drei Bausteine auf: Die Anpassung der Wälder an den Klimawandel, eine künstliche „Ernteverzögerung“ in stabilen Beständen und eine verstärkte Aufforstung. Sowohl der Waldumbau als auch eine verstärkte Aufforstung sind in jedem Fall zu begrüßen und werden dazu beitragen, Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu binden und langfristig in Holz und im weiteren Verlauf in Holzprodukten zu speichern. Die Ernteverzögerung in stabilen Beständen ist jedoch kritisch, da sie die CO2-Senkenleistung der stabilen Wälder reduziert: Zwar ist in einem älteren Wald in Summe mehr Kohlenstoff gebunden als in einem jüngeren, dies erkauft man aber durch eine niedrigere jährliche CO2-Bindungsleistung, die bei Bäumen im Alter abnimmt. Über die reine Menge an Bäumen pro ha lagern junge Wälder so deutlich mehr CO2 pro ha und Jahr ein. In stabilen Beständen die Holzernte zu verzögern, führt daher zu einer reduzierten CO2-Senkenleistung und damit zu einem Verlust von Teilen der Klimaschutzwirkung dieser Wälder. Gleichzeitig sind alte Bäume, wie die Waldzustandsberichte der Länder aus den letzten Jahren zeigen, deutlich anfälliger gegenüber dem Klimawandel, was sich in einem schlechteren Vitalitätszustand des Kollektivs zeigt. Dies geht auch mit Einschränkungen in der Holzverwendbarkeit einher. Die Verzögerung der Holzernte ist daher sowohl im Sinne des Klimaschutzes als auch im Sinne einer möglichst langfristigen Holzverwendung kontraproduktiv.

Erreicht werden sollen die politischen Ziele über Förderung im Privat- und Körperschaftswald. Für den Waldumbau werden Förderungen für die Verkürzung der Umtriebszeit in instabilen Beständen bei gleichzeitiger Verbesserung der forstlichen Standortinformationssysteme empfohlen. Für letzteres wäre zusätzlich zu empfehlen, die in Westdeutschland noch vorhandenen Lücken in der Standortskartierung der Wälder zu schließen. Um den Waldumbau bis 2045 abzuschließen, müssten etwa 120.000ha Wald im Jahr umgebaut werden. Die Förderungen dazu sollen aus den Fördertöpfen GAK und ANK kommen.

Für den Klimaschutz in jedem Fall förderlich sind die für die nachgelagerte Holzverwendungskette vorgeschlagenen Maßnahmen: So schlägt die Studie verpflichtende Holzbauquoten für öffentliche Gebäude und verpflichtende Grenzwerte für den Treibhausgasausstoß von Gebäuden aller Art vor. Dieser Ausstoß bezieht sich dabei auf den Lebenszyklus eines Gebäudes, also auch den Bau. Auch Bonusmodelle für Kohlenstoffspeicherung werden als Möglichkeit diskutiert. Diese sind prinzipiell technologieoffen, könnten aber, sofern die Nachweispflicht unbürokratisch ausgestaltet wird, eine erhöhte Nachfrage nach Holz im Bau auslösen.

Da innerhalb der Studie einerseits mehr Klimaschutzwirkung durch Holznutzung erzielt werden, andererseits der Holzeinschlag nicht weiter erhöht werden soll, muss die verfügbare Menge an Rohholz effizienter genutzt werden. Dies hat zur Folge, dass die Kaskadennutzung ausgebaut und die Verwendung von Sortimenten angepasst werden soll. Insbesondere wird die stoffliche Verwendung von Laubhölzern ansteigen. Gleichzeitig geht die Studie von einem Rückgang der energetischen Nutzung von Holz aus. Auch kompensiert werden soll die künstliche Einschränkung des Holzeinschlags durch eine deutliche Steigerung von Agroforstsystemen und Kurzumtriebsplantagen.

Fazit:

Bilanztechnisch geht die Rechnung der Agora-Studie zwar am Ende auf, aber wie realistisch der Weg dahin ist, muss schon kritisch hinterfragt werden. Der Gesamtansatz ist sehr komplex, ja fast nur mit planwirtschaftlichen Mitteln zu erreichen. Aber nur, wenn alle Faktoren so mitspielen wie geplant, geht die Gesamtrechnung für die Klimabilanz auf. Werden konkret einzelne Anreize geschaffen etwa zur Einschlagsreduktion, aber gleichzeitig beispielsweise beim Thema KUP keine Fortschritte erzielt, steuert man schnell in eine künstliche Rohstoffverknappung hinein.

Insgesamt müssen aus Sicht der AGR die LULUCF Sektorziele infrage gestellt werden. Maßnahmen sollten vor allem darauf abzielen, die Waldökosysteme zu stabilisieren und die Einsparmaßnahmen dafür in anderen Sektoren zu intensivieren, um die ursprünglich eingeplanten LULUCF Mindereinsparungen zu kompensieren.

Weil die vorliegende Studie sich mit allen Formen der Landnutzung beschäftigt, wurde noch für 2026 seitens Agora eine weitere, explizit auf Wälder zugeschnittene Studie angekündigt. Ob diese sich in ihren Kernaussagen von der aktuellen Studie unterscheidet, bleibt abzuwarten. Die hier analysierte Studie finden Sie unter: https://www.agora-agrar.de/publikationen/die-zukunft-von-landnutzung-und-ernaehrung-in-deutschland

Lohnt sich eine größere Baumartenvielfalt wirtschaftlich?

Lohnt sich eine größere Baumartenvielfalt wirtschaftlich?

Lohnt sich eine größere Vielfalt an Baumarten wirtschaftlich?

Auf der AGR-Mitgliederversammlung 2026 stellte Dr. Jasper Fuchs die Ergebnisse seiner Doktorarbeit vor. Darin untersucht er, inwiefern es für Waldbesitzende wirtschaftlich attraktiv ist, mehr verschiedene Baumarten auf einer Fläche anzubauen – vor allem vor dem Hintergrund von Klimawandel, Extremwetter und zunehmenden Waldschäden.

Untersucht wurden mehrere waldbauliche Strategien:

  • ein intensives Management von Borkenkäferschäden (Monitoring und Sanitätshieb),

  • die Anpassung der Umtriebszeiten (also wann Bäume geerntet werden),

  • sowie die Mischung verschiedener Baumarten in Gruppen oder Blöcken.

Als Annahme diente ein starkes Klimawandelszenario (RCP 8.5) und eher vorsichtig wirtschaftende Waldbesitzende.

Das wichtigste Ergebnis: Eine frühzeitige und gezielte Mischung verschiedener Baumarten begrenzt wirtschaftliche Risiken stärker als einzelne Maßnahmen allein. Besonders erfolgreich ist die Kombination aus Baumartenvielfalt, aktivem Borkenkäfermanagement und angepassten Umtriebszeiten. Entscheidend ist dabei, welche Baumarten gemischt werden und wie sich deren Holzerlöse in Zukunft entwickeln. Die Beimischung weiterer Nadelbaumarten wie der Douglasie kann die Erträge zusätzlich erhöhen. Unter günstigen Standortbedingungen ließen sich in Simulationen auf Bestandesebene so selbst bei starkem Klimawandel Ertrag und Risiko stabil halten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Zeitpunkt des Holzverkaufs. Die Auswertung historischer Marktdaten zeigt: Bei der Fichte fallen die Preise nach großen Schadereignissen marktbedingt oft stark ab – teilweise noch bis zu drei Jahre danach. Das schmälert die Holzerlöse der Waldbesitzenden erheblich. Bei der Buche ist vor allem der Anteil an Schadholz entscheidend. Zwar sind die Buchenpreise insgesamt stabiler, liegen aber historisch meist deutlich unter denen der Fichte.

Zusätzlich steigt bei häufigeren Schäden die Bedeutung der Kosten für Neuanpflanzungen und Jungbestandspflege. Je öfter ein Bestand neu begründet werden muss, desto wirtschaftlicher wird es, mit natürlicher Verjüngung der vorhandenen Baumarten zu arbeiten – unabhängig davon, ob diese bereits klimaangepasst ist. Beispielsweise stößt die Mischung aus Fichte und Buche bei häufigen Extremwetterereignissen schnell an die Grenzen des wirtschaftlichen Ertrags, begrenzt jedoch die nötigen Investitionen unter Risiko, da sie weitverbreitet aus natürlicher Verjüngung entwickelt werden kann.

Förderprogramme können hier helfen, den Anbau besser klimaangepasster Baumarten attraktiver zu machen, insbesondere wenn zusätzlicher Schutz vor Wildverbiss nötig ist. In solchen Fällen erweisen sich die Kombination aus Douglasie und Buche oder Eichenbestände als wirtschaftlich attraktivere Wahl.

Die gesamte Dissertation von Dr. Jasper Fuchs finden Sie hier