Erneut 22 Millionen aus Steuergeldern für ein Ende der nachhaltigen Nutzung: AGR kritisiert Waldkauf des BUND

Erneut 22 Millionen aus Steuergeldern für ein Ende der nachhaltigen Nutzung: AGR kritisiert Waldkauf des BUND

Erneut 22 Millionen aus Steuergeldern für ein Ende der nachhaltigen Nutzung: AGR kritisiert Waldkauf des BUND

Die zum BUND Thüringen gehörende Naturstiftung David hat 770ha Wald in Thüringen gekauft mit dem Ziel das Waldgebiet stillzulegen. Der Kaufpreis: Rund 22 Millionen Euro. Zum Tag der Umwelt und einem Besuch des Bundesminister Carsten Schneider machte die Stiftung den Kauf nun öffentlich.

Finanziert wurde der Kauf in Thüringen laut MDR vollständig durch das Bundesumweltministerium mit Steuergeldern aus Mitteln für den Klimaschutz, also Steuergeldern in Höhe von 22 Millionen Euro. Vorangegangen war ein Rechtsstreit zwischen dem Eigentümer und Umweltbehörden, in dem es darum ging, ob bei der Holzernte gegen Umweltschutzauflagen verstoßen wurde, oder nicht. Der ehemalige Besitzer unterlag und entschloss sich jetzt zum Verkauf der Flächen. Die Stiftung David möchte auf den Flächen nun jegliche Holznutzung einstellen.

„Ein Klimaschutzprogramm, mit dem auf Kosten der Allgemeinheit den heimischen Unternehmen der wichtige Rohstoff Holz entzogen wird, ohne dass das am Ende dem Klima nützt, muss dringend grundlegend überarbeitet werden“, fordert der Sprecher der AGR Dr. Carsten Merforth. Besonders brisant: Während binnen weniger Woche weit über 50 Millionen Euro für Waldstilllegungen aus Steuergeldern zur Verfügung gestellt werden können, sei für die Holzbauinitiative des Bundes kein Geld vorhanden. Gerade in Bezug auf den Klimaschutz werden hier falsche Prioritäten gesetzt.

Der Verkauf der „Hohen Schrecke“ ist nach dem Kauf von knapp 1.000 Hektar Wald in Sachsen-Anhalt durch den Nabu aus dem gleichen Programm für über 30 Millionen Euro schon der zweite prominente Fall innerhalb weniger Wochen.

Am Beispiel der Bewirtschaftung in der Hohen Schrecke zeigt sich exemplarisch die Widersprüchlichkeit unseres Systems: Der Staat fördert die Entwicklung von Laubholzprodukten, aber gleichzeitig auch das Ende der Waldbewirtschaftung im Laubwald und wer als Waldbesitzer Laubwälder besitzt, sieht sich inzwischen oft mit nationalen und regionalen Nutzungsauflagen konfrontiert, die oft im Widerspruch zu einer forstwissenschaftlich guten fachlichen Praxis stehen. Mit der anstehenden Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung kommt die nächste Welle dazu diesmal aus der EU.

Die Klimaschutzeffekte sind bei dem Ende des Holzeinschlags ohnehin minimal: Zwar nehmen die Wälder zunächst weiter Kohlenstoff auf, diese Menge wird aber von Jahr zu Jahr geringer. Sobald die Waldentwicklungsphase des Zerfalls erreicht wird, wird er durch Verrottung wieder frei. Eine dauerhafte Speicherung von Kohlenstoff findet de facto nicht statt. Der Klimaschutz, für den die öffentlichen Gelder bereitgestellt werden, profitiert also langfristig gar nicht.

Zielführender wäre eine langfristige Speicherung von Kohlenstoff in langlebigen Holzprodukten und der Ersatz von fossilen Rohstoffen durch Holz. Zumindest aus der Hohen Schrecke wird dieses Holz in Zukunft nicht mehr kommen können. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass in der Thüringer Stadt Suhl ein neues Kompetenzzentrum für Holzbau entsteht, welches sich unter anderem mit innovativen Nutzungsmöglichkeiten für Laubholz auseinandersetzen soll, ist die weitere Stilllegung von Laubwaldgebieten ein völlig falsches Signal.

Waldzustand in Deutschland stagniert

Waldzustand in Deutschland stagniert

 

Am 19. Mai wurde der Waldzustandsbericht für das gesamte Bundesgebiet durch Bundesminister Alois Rainer im Forstamt Berlin-Tegel vorgestellt. Über alle Baumarten hinweg hat sich die Lage im Vergleich zu den Jahren seit 2020 kaum verändert, im Vergleich zum Vorjahr sank der Anteil der stark geschädigten Bäume um ein Prozent. Zurückzuführen ist dies auf sich gegenseitig ausgleichende Entwicklungen zwischen den Baumartengruppen

Ein Beispiel hierfür sind Kiefer und Fichte. Der Zustand der Fichte wird im Vergleich zum Vorjahr als etwas besser eingestuft, der Anteil an Bäumen ohne Kronenverlichtung steigt um 4% auf 25%. Für die Kiefer war es hingegen ein schlechtes Jahr. Der Anteil der Bäume ohne Kronenverlichtung fällt um 7% und liegt nun bei 13%. Gleichzeitig steigt die Anzahl stark geschädigter Bäume um ebenfalls 7% auf 31%. Mit Blick auf verschiedene Waldzustandsberichte der Länder (ST,BB,RP) dürfte dies an zunehmendem Mistelbefall und einem besonders stark ausgeprägten Aufkommen der Waldgärtnerarten liegen. Das BMLEH selbst nennt im Unterschied zu den Berichten der Länder keine Gründe. Der Zustand der sonstigen Nadelbäume (u.A. Lärche, Douglasie und Tanne) hat sich kaum verändert.

Der Allgemeinzustand der Buche hat sich etwas gebessert. Aktuell fallen 21% der Bäume in die Kategorie ohne Kronenverlichtung, 41% haben eine leichte Verlichtung, die verbleibenden 38% sind stark verlichtet. Dies ist vermutlich auf eine verringerte Fruchtbildung zurückzuführen. Der Zustand der Eiche wird seit 2020 kontinuierlich schlechter, auch im vergangenen Jahr war keine Trendumkehr zu beobachten. Der Anteil der Bäume ohne Kronenverlichtung liegt nun wie bei der Kiefer auf 13%. Mit 51% haben über die Hälfte der Bäume deutliche Schäden. Das Schadensbild der Gruppe der weiteren Laubbaumarten verbesserte sich im letzten Jahr minimal.

Carsten Merforth, Präsident des Hauptverband der Holzindustrie: Der Waldzustandsbericht „Der Waldzustandsbericht macht deutlich, dass alle Baumarten im Wald weiterhin unter den Folgen des Klimawandels leiden. Besonders ältere Bestände weisen erhebliche Schäden auf und reagieren zunehmend empfindlich auf Trockenheit und Schädlingsbefall. Deshalb müssen wir dringend eine klimaangepasste Verjüngung unserer Wälder vorantreiben. Entscheidend ist dabei nicht die Frage „Laubbaum oder Nadelbaum“, sondern die richtige Mischung klimaangepasster Baumarten. Wir brauchen vielfältige Mischwälder mit einem Mindestanteil von 50 Prozent Nadelholz. Denn Nadelholz bleibt für den nachhaltigen Hausbau unverzichtbar und bildet damit einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz. Denn wenn wir das Holz aus dem Wald nicht nutzen, kann sich die positive Klimawirkung der Wälder auch nicht voll entfalten.“

Sowohl bei Eiche und Buche spielt das Alter der Bäume eine besonders große Rolle. Die Verlichtungsraten bei Bäumen über 60 Jahren sind im Vergleich zu Bäumen unter 60 Jahren etwa 3 bis 6 mal höher. Die hohen Schadanteile lassen sich daher auch durch den besonders hohen Anteil an alten Bäumen in diesen beiden Artengruppen erklären. Bei den Nadelbäumen sind beide Effekte ebenfalls zu beobachten.

Die gesamte Waldzustandserhebung finden Sie hier

 

 

Was tun, wenn der Markt kein Kalamitätsholz mehr aufnehmen kann?

Was tun, wenn der Markt kein Kalamitätsholz mehr aufnehmen kann?

Was tun, wenn der Markt kein Kalamitätsholz mehr aufnehmen kann?

Im Projekt NuKaFi, an dem unter anderem der DeSH beteiligt war, wurden die Möglichkeiten zur Lagerung und anschließender Verwendung von Kalamitätsfichte untersucht. Die Lagerung findet dabei hauptsächlich statt, um Zeit zu gewinnen und Aufkommensspitzen abzufedern.

Zunächst vorweg: Kalamitätsholz ist selbst stehend grundsätzlich gut lagerfähig, insbesondere dann, wenn es in sehr trocken-warmen Perioden angefallen ist. Gerade unter diesen Umständen fällt die Rinde der Bäume schnell ab und die Holzfeuchte verringert sich innerhalb kurzer Zeit. Dies macht das Holz sowohl für Pilze als auch Insekten weniger anfällig.

Nichtsdestotrotz sollten frisch befallene Bäume immer direkt geerntet werden, um die Ausbreitung der Kalamität einzudämmen. Die stehende Lagerung ist nur dann eine Option, wenn die Entnahme während des aktiven Befalls verpasst wurde, heißt wenn die die Kalamität verursachenden Insekten bereits aus den Bäumen ausgeflogen sind. Auch frisch geerntete Fichten können gelagert werden, hier stehen als bekannte Methoden die Nass- sowie die Folienlagerung zur Verfügung.

Für Zeiträume von bis zu zwei Jahren ist die stehende Lagerung grundsätzlich eine Option. Danach sinkt die Qualität des Holzes deutlich. Bei der Lagerung als so genannter Dürrständer ist es entscheidend, dass die gesamte Rinde des Baumes abgefallen ist, damit das Holz trocknet. Ein möglichst intensiver Käferfraß ist hier förderlich. Verbleibt Rinde am Baum, kann es dort zu erhöhter Holzfeuchtigkeit und damit Pilzbefall kommen. Wenn die ersten Dürrständer umfallen, steigt die Wahrscheinlichkeit für Befall durch Bockkäfer und Holzwespen.

Nicht zu empfehlen ist die Stehendlagerung für Bereiche, die eine Verkehrssicherungspflicht mit sich bringen. Außerdem sollte das erhöhte Risiko für das aufarbeitende Personal sowie Jäger etc. beachtet werden. Eine erhöhte Waldbrandgefahr entsteht jedoch nicht, weil über 90% der Waldbrände in Deutschland ohnehin durch den Menschen verursacht werden.

Ist die stehende Lagerung keine Option, kann auf Trockenlager für bereits geerntetes Holz zurückgegriffen werden. Auch hier ist es entscheidend, dass das Holz möglichst schnell trocknet. Zum Boden sollte ein Mindestabstand von 50cm eingehalten werden. Dies kann zum Beispiel durch Stämme unterhalb des Polters, auf welchen dann gepoltert wird, erreicht werden. Die größten Risiken hier sind Brandstiftung, Vandalismus und Diebstahl. Die Stämme sollten nach Erreichen der gewünschten Holzfeuchte mit Folie abgedeckt werden. Die Folie muss dabei regelmäßig, insbesondere nach markantem Wetter, kontrolliert werden.

Das eingelagerte Kalamitätsholz kann sowohl für Vollholzprodukte als auch für Holzwerkstoffe verwendet werden. So sind Faserplatten aus gelagertem Kalamitätsholz in ihren Eigenschaften vergleichbar mit Faserplatten aus Frischholz. Jedoch ist der Anteil an Stäuben erhöht.

Grundsätzlich führt die Verarbeitung von Kalamitätsholz in Sägewerken zu einer etwas geringeren Ausbeute bei erhöhten Stehzeiten. Außerdem kommen Produktbeanstandungen durch Kunden etwas häufiger vor. Die Mehrkosten in der Produktion werden mit 5-8% beziffert. Im Fazit wird durch den erhöhten Staubanteil eine Vorbehandlung durch Wasserlagerung empfohlen. Diese ist von Altholz bereits bekannt. Gegebenenfalls müssen vor der Weiterverarbeitung dann feine Partikel abgesiebt werden.

Den gesamten Leitfaden zum Umgang mit Fichtenkalamitätsholz finden Sie hier: https://zukunft-holz.de/pressemitteilungen/2026/empfehlungen-fuer-lagerung-und-verwertung-von-kalamitaetsholz-veroeffentlicht/

Moratorium beendet: Berliner Wälder werden wieder als Dauerwald behandelt und umgebaut

Moratorium beendet: Berliner Wälder werden wieder als Dauerwald behandelt und umgebaut

Moratorium beendet: Berliner Wälder werden wieder als Dauerwald behandelt und umgebaut

Nach etwa 2 Jahren ohne reguläre Arbeiten werden die Berliner Forsten wieder als Dauerwald behandelt. Als Grundlage dazu sollen die kürzlich herausgegebenen Waldentwicklungsgrundsätze Waldvision 2065 dienen. Diese wurden durch die Berliner Forsten in Zusammenarbeit mit weiteren Stakeholdern wie der obersten Naturschutzbehörde erarbeitet und werden sie in Zukunft weiter verändern und ergänzen.

Die Rund 28.500ha Wald auf der Fläche Berlins sollen dabei, sofern noch nicht geschehen, in Laubmischbestände überführt werden. Nadelholz soll dabei nach den strategischen Zielen der Berliner Forsten keine Rolle spielen. Das Ziel: Die Entwicklung resilienter Wälder, die in einem Gleichgewicht aus Naturschutz, Erholung für die Bevölkerung und Ressourcennutzung behandelt werden. Die Zertifizierungen nach FSC und Naturland bleiben dabei erhalten.

Die Holznutzung spielt im neu aufgelegten Programm eine geringe Rolle, im Leitbild taucht sie nicht einmal auf. In den Zielen wird lediglich erwähnt, dass das bereitgestellte Holz regional genutzt und mindestens 80% Schnittholz ausgehalten werden sollen. Mit den aktuell noch großflächig vorhandenen Kiefernbeständen, die umgebaut werden sollen, klingt dieses Ziel realistisch. Je mehr Laubholz jedoch dazukommt, desto schwerer wird es werden diese Quote zu halten. Gleichzeitig spricht die bevorzugte Nutzung von Bäumen mit besonders guten Holzeigenschaften gegen eines der Grundprinzipien der Dauerwaldbewirtschaftung: „Das schlechteste fällt zuerst, das bessere bleibt erhalten“.

Die zukünftige Bewirtschaftung der Berliner Wälder fokussiert sich damit im Wesentlichen auf Naturschutz und Erholung, der Waldumbau wird im als Mittel zum Walderhalt gesehen. Die Bereitstellung des nachhaltigen Rohstoffes Holz spielt kaum eine Rolle, sie wird eher als eine Art praktischer Nebeneffekt gesehen. Im Interesse der Initiatoren des Berliner Dauerwaldvertrag von 1915 dürfte dieses Programm in jedem Fall sein. Ob es sich beim Programm der Berliner Forsten um „Dauerwaldbewirtschaftung“ handelt, ist jedoch fraglich. Wirtschaftlich ist das Programm angesichts des geringen Fokus auf die nachhaltige Holznutzung vermutlich nicht. Mit den Einnahmenstrukturen der meisten Forstbetriebe Deutschlands, die ihre Einnahmen zum aller größten Teil aus dem Verkauf von Holz generieren, wird es schwierig werden mit diesen Grundsätzen einen wirtschaftlichen Forstbetrieb zu betreiben.

Die neuen Waldentwicklungsgrundsätze der Berliner Forsten finden Sie hier: https://www.berlin.de/sen/uvk/presse/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1654031.php

Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik spricht sich für assisted Migration aus

Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik spricht sich für assisted Migration aus

Die Zapfen einer Atlaszeder

Für diese und weitere Baumarten müssen im Rahmen der assisted Migration Samenplantagen in Deutschland angelegt werden, um die Verfügbarkeit von Saatgut nach dem Forstvermehrungsgutgesetz zu verbessern.

Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik spricht sich für assisted Migration aus

Der Klimawandel macht den deutschen Wäldern zu schaffen, laut BMLEH ging die Produktivität der deutschen Wälder zwischen 2012 und 2022 um 17% zurück. Mit Blick auf die rasant fortschreitenden Veränderungen seitens der klimatischen Bedingungen müssten Arten bzw. Provenienzen sich mit 3000-5000m pro Jahr fortbewegen, um mit den sich verändernden Bedingungen mithalten zu können. Jedoch sind die tatsächlichen Ausbreitungsgeschwindigkeiten je nach Art bei maximal 500m pro Jahr limitiert. Um diese Limitierung zu umgehen und die Wälder in Deutschland klimagerecht umbauen zu können, spricht sich der wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik für die Umsetzung von assisted Migration aus.

Der Beirat spricht in seinem Papier dabei auch explizite Empfehlungen für Baumarten aus, welche von assisted Migration profitieren könnten. Für heimische Arten empfiehlt er Hainbuche, Elsbeere, Winter- und Sommerlinde, Spitz- und Feldahorn sowie für Teile Baden-Württembergs und Thüringens die Flaumeiche. Aus dem europäischen Bereich werden Orientbuche, Zerreiche, Schwarzkiefer und Esskastanie genannt, aus dem Bereich außerhalb Europas werden Baumhasel, Atlas- und Libanonzeder, Nordmanntanne und der Tulpenbaum empfohlen.

Außerdem wird der weitere Anbau der bereits erfolgreich eingeführten Baumarten wie Douglasie, Küstentanne und Roteiche empfohlen. Die genannte Liste ist bewusst nicht abschließend gefasst, weitere Baumarten könnten je nach Entwicklung von Forschungsprojekten hinzukommen. Hierunter fallen verschiedene Eichen- und Kiefernarten aus Südeuropa und Nordamerika sowie Tannenarten und -hybride aus dem Mittelmeerraum

Aus Sicht der Holzindustrie ist eine Intensivierung der Forschung im Bereich der stofflichen Nutzung von Laubholz grundsätzlich positiv. Jedoch ist es unrealistisch, dass Laubholz in naher Zukunft jegliche Einsatzzwecke von Nadelholz substituieren kann. Daher ist es zu begrüßen, dass der wissenschaftliche Beirat auch eine Reihe an Nadelhölzern empfiehlt und die Herausgabe von Empfehlungen für weitere Arten prüft. Wichtig ist jedoch auch, dass neu eingeführte Nadelbaumarten in einer Menge vorhanden sind, dass sich die Prüfung dieser für Einsatzzwecke mit Normierungsanforderungen lohnt und dass die Hölzer diese Normen auch einhalten. Dies war insbesondere bei der Küstentanne in der Vergangenheit durch ihr rasches Wuchsverhalten nicht immer gegeben.

Probleme bei der Umsetzung

Neben Hindernissen für Baumschulen in der Beschaffung und Prüfung des entsprechenden Saatgutes durch unübersichtliche Lieferketten nennt der Beirat eine Reihe von Rechtsvorschriften, die für die Umsetzung von assisted Migration angepasst werden müssen. Dies beginnt beim Forstvermehrungsgutgesetz, in welchem die so genannten Sternchenbaumarten keine ausgewiesenen Herkunftsgebiete haben und daher nur mit Ausnahmegenehmigung Vermehrungsgut gewonnen darf, geht über das BNatschG, welches ebenfalls eine Ausnahmegenehmigung für das Einbringen von Pflanzen an Stellen vorsieht, wo diese nicht oder seit über 100 Jahren nicht mehr vorkommen und endet mit Umwegen über weitere Gesetze letztendlich beim Umweltstrafrecht. Aus letzterem können sich durch die geplante Änderung von §329 StGB strafrechtliche Risiken bei der Umsetzung von assisted Migration ergeben. Zusätzlich dazu wird der Waldumbau in stadtnahen Gebieten teilweise durch die Bevölkerung in Frage gestellt. Befeuert werden diese Widerstände durch wenige  Akteure mit hoher Reichweite, welche den Begriff „Waldumbau“ bewusst fehlinterpretieren. Diese habe durch vereinfachte und emotionalisierte Narrative in den Sozialen Medien unter anderem zu einem „Sturm der Entrüstung“ gegen den Baum des Jahres 2025 (Roteiche) beigetragen.

All diese Faktoren erschweren assisted Migration in Deutschland deutlich und werden im Zweifel die lokalen Akteure davon abhalten, ihre Wälder mit zusätzlichen Baumarten aus Gebieten, die aktuell den zukünftig hierzulande künftig erwarteten Bedingungen ähneln, zu erweitern.

9. Landeswaldgipfel Baden-Württemberg

9. Landeswaldgipfel Baden-Württemberg

9. Landeswaldgipfel Baden-Württemberg: Holznutzung statt Stilllegungen in BW

Am 30.01. veranstaltete der Landeswaldverband Baden-Württemberg den 9. Waldgipfel des Landes. Nach einer Eröffnungsrede durch Minister Hauck fand eine Podiumsdiskussion statt, in welcher die forstpolitischen Sprecher der Parteien Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD und FDP vertreten waren.

Direkt zu Beginn der Veranstaltung erteilte Minister Hauck mit den Worten „Prozessschutz ist ein Thema von gestern“ eine klare Absage an weitere Stilllegungsprojekte in Baden-Württemberg. Mit der Erweiterung des Nationalparks habe er Frieden schließen können, weitere Fichtennationalparke in Deutschland seien aber sinnlos, es gäbe hier keinen weiteren Erkenntnisgewinn, so Hauck. Außerdem forderte er, auch angesichts der aktuellen Versorgungsengpässe, einen Abbau der Fichten- und Tannenbestände. Dies hilft der Verjüngung der Wälder und ist für die Holznutzung in einer klimabewussten Gesellschaft von entscheidender Bedeutung. Mit Blick auf die Zukunft plädiert Hauck für die Umsetzung von kostengünstigen Wasserrückhaltemaßnahmen sowie den Abbau von Bürokratie. Das Waldportal Baden-Württemberg soll dabei eine Schlüsselrolle spielen. Des weiteren solle die Fernerkundung mit Satelliten und Drohnen ausgebaut werden.

Im Anschluss folgte eine Podiumsdiskussion mit den forstpolitischen Sprechern der Parteien Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD und FDP. Dabei sprachen sich alle Parteien für die Holznutzung aus, waren sich jedoch nicht einig, wie dies geschehen soll. Klaus Hoher (FDP) und Sarah Schweizer (CDU) sprachen sich für eine Kombination von KI und Eigeninitiative seitens des Kleinprivatwaldes aus, Jan Peter Röderer (SPD) warb für eine Kombination aus Eigeninitiative und Personal. Reinhold Pix (Die Grünen) plädierte als einziger für mehr Betreuung des Kleinprivatwaldes in Kombination mit mehr Personal. Außerdem solle sich der Kleinprivatwald in Genossenschaften o.ä. zusammenschließen, um die Bewirtschaftung der Wälder zu vereinfachen. Auch soll der Waldumbau durch Förderung attraktiv gestaltet werden. Die FDP plädiert stattdessen dafür, dass der Kleinprivatwald seine Flächen verkaufen solle und auf die Verkäufe unabhängig vom Käufer keine Steuern erhoben werden.

Beim Thema Kommunikation lehnt die FDP das Hinterfragen der Art der Waldbewirtschaftung seitens der Gesellschaft ab und forderte härtere Strafen für die Missachtung von Sperrungen bei Holzernten und für die Bildung von Bürgerinitiativen. Die drei anderen anwesenden Parteien setzen stattdessen auf Kommunikation mit dem Bürger, insbesondere Grüne und SPD sprechen sich dafür aus Bürgerdialog und Waldpädagogik weiter auszubauen. Beim Thema Waldmanagement sprachen sich alle anwesenden Parteien dafür aus, die Wälder weiterhin zu nutzen und den Waldumbau aus dem Holzeinschlag zu finanzieren. Um die Nachfrage nach Holz anzukurbeln, wurde seitens SPD und Grünen die Förderung des Holzbaus bei öffentlichen Bauprojekten empfohlen

Uneinigkeit herrschte auch beim Thema Personal: In Baden-Württemberg wird etwa 50% des Forstpersonals in den nächsten 10 Jahren in Rente bzw. Pension gehen. Konsens gab es noch bei dem Thema, dass es angesichts der finanziellen Lage schwierig werden wird, alle Stellen neu zu besetzen. Wie es aber für den Forstsektor, der schon jetzt personell knapp aufgestellt ist, weiter gehen soll blieb ungewiss. Auf die Frage, welche Aufgaben angesichts der Steigerung von Waldpädagogik und Kommunikation bei sinkendem Personal nicht mehr erfüllt werden sollen, wollte keine der Parteien antworten. Auch zur finanziellen Situation der FVA, welche mangels dauerhafter Stellen unter einer hohen Fluktuation und Wissensverlust leidet, wurden keine Lösungen eingebracht. Lediglich die Grünen setzten sich für mehr Personal und die strukturelle Sicherung von finanziellen Mitteln im Forstsektor ein.

Über den gesamten Verlauf der Diskussion herrschte bei Fragen zu Bewirtschaftung, Holznutzung und -verwendung zwischen den Parteien meist Einigkeit. Lediglich bei den Themen Personal und Finanzierung gab es Diskussionsbedarf, wobei Grüne und SPD für mehr Personal offener waren als CDU und FDP, welche insbesondere bei Förderungsangelegenheiten stattdessen auf KI setzen wollen.